Shetland Wolle aus Brandenburg

Wir vom Brandenburger Wolle Netzwerk e.V. haben es uns u.a. zum Ziel gemacht, die Bedeutung der Schafwolle und anderer Faserlieferanten aus dem Land Brandenburg wieder stärker herauszustellen. 

Nun ist es an der Zeit, einen Rückblick auf das Jahr 2020 zu geben. Aufgrund der Bedingungen durch die „Corona- Pandemie“ waren viele Aktivitäten eingeschränkt. Wir nahmen an mehreren Schafschuren teil und waren aktiv beim Projekt der Landwirtschaftsschule Oranienburg: Schafhaltung und Verarbeitung der Produkte in der heutigen Zeit.

In diesem Beitrag soll es nun um die Wolle der Shetland Schafe, deren Schur und die Verarbeitung der Shetland Wolle aus Brandenburg gehen. 

Das Shetland Schaf ist eine kleine, wollproduzierende Schafrasse, die ihren Ursprung auf den Shetlandinseln in Schottland hat. Shetland Schafe werden inzwischen auch in vielen Teilen der Welt gehalten. Es gehört zur Gruppe der nordeuropäischen Kurzschwanzschafe und ist eng mit dem ausgestorbenen Schottischen Dunface verwandt. Shetlands werden wegen ihrer sehr feinen Wolle, wegen des Fleisches und zur Erhaltung der Weidehaltung gehalten. 

Obwohl Shetlands im Vergleich zu kommerziellen Rassen klein und langsam wachsend sind, sind sie robust, sparsam, anpassungsfähig und langlebig. Die Shetland- Rasse hat jahrhundertelang unter schwierigen Bedingungen und bei schlechter Ernährung überlebt, aber sie gedeihen auch unter besseren Bedingungen. Shetlands haben sich viele ihrer primitiven Überlebensinstinkte bewahrt, so dass sie einfacher zu pflegen sind als viele moderne Rassen. 

Die Wolle der Shetland Schafe ist besonders fein und eignet sich sehr gut zum Verspinnen und für weiche Strickwaren. Angegeben wird Shetlandwolle mit 20-30 micron. 

Die Schur 2020 fand bei herrlichstem Wetter statt. Die Schafe waren dabei völlig entspannt. 

 

Jedes einzelne Vlies wurde in eine extra Tasche verpackt. Das Auto war voll und duftete herrlich auf der Heimreise. 

Zu Hause ging es dann daran jedes einzelne Vlies zu sortieren, damit es weiterverarbeitet werden kann. Dafür habe ich mir eine alte Hühnerstalltür mit Gitter auf 2 Böcke gestellt, sodass grobe Verunreinigungen sofort durchfallen können.

 Bereits bei der Schur hatte ich mir zu jedem Vlies Notizen gemacht, von welchem Schaf das Vlies stammt, von einem Jährling, einem zweijährigem oder dem Bock. Nun wurde die Vliese jedes für sich nach 3 Rubriken sortiert. 1. feinste Wolle, aus der ich Kardenband zum Handspinnen machen wollte, 2. Gröbere Teile für Teppichgarn oder Sockenwolle; 3. Der letzte Teil Bauch, Beine, Po, oder Teile die voll von Stroh waren, kamen in einen Karton für das Mulchen der Gartenbeete.

Zuerst hatte ich die Idee, die Wolle nach den vielen verschiedenen Farbschlägen zu sortieren um sie zu Kardenband verarbeiten zu lassen. 

Dafür hatte ich mir extra aus England eine Übersicht der vielen Farbschläge besorgt. Doch hätte ich auf diese Art immer nur Kleinstmengen einer Farbe bekommen, was dann für die Erstellung des Kardenbands schwierig geworden wäre. So trennte ich die Farben nach hell/ grau und dunkel.

 Noch mehr zu den Shetland Schafen:

Die Wurzeln der Shetland Schafe reichen über 1000 Jahre zurück. Bis zur Eisenzeit sollen sie auf dem Festland, also England und Teilen von West und Nordeuropa zu Hause gewesen sein und im 9. Jahrhundert wurden sie dann wohl von den Wikingern auf die nördlichsten britischen Inseln die Shetlandinseln eingeführt.

Ca. 22 000 Menschen und 150 000 Shetland Schafe sollen auf den Shetlandinseln leben. Züchterisch tauchen die Shetland Schafe dann allerdings erst im 18. Jahrhundert auf. Sie zählen mit zu den kleinsten Schafrassen und gehören zur Gruppe der nordeuropäischen Kurzschwanzschafe, zu denen auch Gotland Schafe, Heidschnucken und Romanov gehören. Die Rasse wird auch wegen ihrer Fähigkeit unter widrigsten Umständen zu überleben, geschätzt. Die Mutterschafe sind Horn los und die Widder gehörnt.

Shetland Schafe sind hauptsächlich für das Hervorbringen von Wolle in den unterschiedlichsten Tönen bekannt. Elf wichtige Farben sind anerkannt, darunter auch viele verschiedenen Schattierungen: hellgrau, grau, weiß, dunkles bläuliches- grau, licht grau- braun, dunkelgrau, schwarz, beige, rotbraun, honigfarben, gelblich- braun und dunkelbraun. ( darkbrown, moorit, fawn, miaget, musket, white, light, gray, emsket, shaela und black). Aufgrund ihrer Vielfältigkeit entstand der traditionelle Shetland Pullover mit der Fair Isle Strickerei.

 Für die traditionelle Fair Isle Strickkunst wird Shetlandwolle, und zwar die vom kurzwolligen Shetland Schaf verwendet. Diese Wolle ist leicht (z.B. 25g/115 m verzwirnt und entspricht Nadelstärke 3 mm), durch die starke Kräuselung der Faser ist sie trotzdem sehr warm. Die Shetlandwolle läßt sich gut und farbenreich verfilzen.

Die Wolle vom Shetlandschaf hat ein Vliesgewicht von 1 -1,5 Kilo, da die Tiere ja sehr klein sind. Die Haardicke beträgt 20-30  Mikron, die Haarlänge 5- 12,5 cm. Wolle vom Shetlandschaf ist sehr robust und wärmend und wird auch oft zu traditionellem Tweedgarn verarbeitet.  Als feine "Cobweb"-Qualität (einfädig versponnen) wurde und wird sie zur Herstellung von Shetland Lace oder Spitzengestricken im Allgemeinen verwendet. Bekannt ist auch die berühmte Shetlandspitze, dieses Garn wird aus ausgewählter Wolle vom Nacken gesponnen, da die Wolle dort besonders weich ist.  


 Das herrliche " The Fleece & Fiber Sourcebook" widmet sich mit mehr als 200 beschriebenen Sorten an Fasern, dem Shetlandschaf ganze 10 Seiten, daran sieht man schon wie vielfältig diese Wolle ist. 

Aus den Shetlandfasern entstanden schließlich etliche Kilo Kardenbänder in hell und braun. 

Weil schon Nachfragen nach der Wolle, bzw. dem Kardenband kamen: Dieses Jahr war schon alles vorbestellt. Wer Interesse an dem diesjährigen Kardenband hat, kann uns gerne anschreiben.
Autorin: WolleNaturFarben

Kommentare